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„Lost Places“, also Orte, die kaum jemand kennt, gibt es nicht nur im Landkreis Fulda, so wie letzte Woche der Schwedenstern an der Schwedenschanze. Lost Places gibt es auch direkt in Eichenzell. Heute haben wir ein Bild der hölzernen Wildscheune im öffentlich nicht zugänglichen Forst der zu Schloss Fasanerie (Adolphseck) gehört. Praktisch jeder ist schon mal im Eichenzeller Turmwald am Breitweiher vorbei gekommen. Die Mauer um das gesamte fürstliche Anwesen ist hier so hoch, dass auch große Menschen nicht drüber sehen können. Könnte man drüber schauen, würde man diese Scheune am Ende einer etwa 300 Meter langen schmalen Wiese erblicken.

Dr. Markus Miller, Direktor an Schloss Fasanerie, teilte mir mit, dass die Wildscheune im 19. Jahrhundert errichtet wurde. „Zur Zeit Landgräfin Annas und bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden von dort die im Wildpark gehaltenen Hirsche – darunter ein Ende des 19. Jahrhunderts dort lebender legendärer weißer Hirsch – gefüttert. Heute wird die Wildscheune als Geräteschuppen genutzt und hin und wieder vermietet“, so Miller. Auch mein Vater erzählte mir, als ich ein Kind war, dass es in diesem Teil des Schlossparks einen weißen Hirsch gegeben haben soll. Im Volksglauben hatte sich die Legende sogar noch weiter gesponnen: Das Tier habe ein weißes Kreuz auf der Mitte des Kopfes gehabt. Selbst gesehen hatte mein Vater den weißen Hirsch allerdings nie.

Im Bild am unteren Rand der Wiese von den Bäumen verdeckt, fließt der Höhlengrundbach von rechts nach links. Er kommt als Überlauf des Breitweihers unter der Mauer hindurch. Gespeist wird der Breitweiher selbst hauptsächlich vom „Schöfferschbörrn“, also dem Schäferbrunnen, im Turmwald. Nach links fließt das Flüsschen weiter durch die verschiedenen Weiher im Park, durch die „Holl“, also die tiefe Kuhle in der Eichenzeller Fasaneriestraße und dann weiter zu den Gerbachshöfen, auch um den Gerbachsweiher zu füllen. In unserem trockenen Sommer war dieser Weiher allerdings zum ersten mal in meinem Leben komplett ausgetrocknet, weil der Höhlengrundbach kaum Wasser führte.

Unsere Serie von Luftbildern zeigt aktuelle aber auch historische Luftaufnahmen aus der Gesamtgemeinde Eichenzell und Interessantes aus dem Fuldaer Land. Harald Friedrich, passionierter Motorsegler-Pilot und Luftbildfotograf, schießt die Bilder aus Flugzeugen der Fliegerschule Wasserkuppe und beschreibt die Bilder mit einem kurzen Text.